Archiv für November, 2009

Die Talente von gestern sind die Talente von morgen

Mittwoch, November 25th, 2009

Was ist eigentlich ein Talent? Und wie lang kann man ein solches sein? Wer als Talent gilt, so scheint es, muss nichts beweisen; und so mancher bleibt es ein Leben lang. Daran ändert auch der Zusatz „young” nichts. Überall ist in den letzten Jahren von Talenten die Rede. Man könnte meinen, es gäbe ständig Neuentdeckungen. Aber dem ist wahrlich nicht so. Oft wird die Auswahl nur variiert und neu zusammengestellt, der Titel der Talent-Fibel mit einem zusätzlichen Adjektiv versehen und das Vorwort neu geschrieben. In den Büchern selbst findet man mehr oder weniger die immer gleiche Riege an mehr oder weniger jungen Designern und Designerinnen, die mit durchaus interessanten Projekten auf sich aufmerksam gemacht haben. „Haben” ist dabei das Schlüsselwort, denn die Beispiele liegen nicht selten drei, vier Jahre zurück. Und so wird aus dem ehemaligen „young talent”, das in der Szene längst eine etablierte und unangefochtene Größe ist, eben ein „eternal talent”.

Zu den Klassikern unter den Talenten gehören beispielsweise Kram/Weishaar, gerne präsentiert mit ihrem „Breeding Table” aus dem Jahr 2005. Es war ein kluges und visionäres Projekt, aber warum die beiden damit nun auch wieder in das neue Buch von Hansjerg Maier-Aichen „New Talents. Stand der Dinge” aufgenommen wurden, bleibt unverständlich. Ebenso schwer nachvollziehbar ist, warum Jerzey Seymour mit seinen Projekten „Brussels Brain” (2005), New Order Chair und Living Systems (beide 2007) dazugehört. Wieder liegt das nicht an der Qualität des Designers und seiner Entwürfe, im Gegenteil. Der in Berlin geborene Kanadier ist heute nicht mehr aus der Designszene wegzudenken, den Status des hoffnungsvollen Talents indes hat er längst hinter sich gelassen. Gleiches gilt für Martino Gamper und seine wunderbaren „100 chairs” (2007) oder für Tom Price und seine „Meltdown-Chairs” (2007).

Matali Crasset, Jurgen Bey, Constantin Boym und Martí Guixé wurden bewusst mit angeführt, liest man in der Einführung der Publikation, weil sie schon in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts sehr eigenständige Produktvorstellungen vertreten und heute für einen nicht unerheblichen Teil der jüngeren Generation Vorbildfunktion hätten. Das stimmt, allerdings fragt man sich, ob jene junge Generation nicht längst die Vorreiterrolle für die nachkommende eingenommen hat, die tatsächlich noch unbekannte Talente bereit hält. Man braucht eben Talent, um eine gute „young talent”-Auswahl zu treffen. Und wer weiß, was noch alles in uns schlummert. Vielleicht sind wir ja am Ende alle junge Talente - mehr oder weniger.

New Talents - State of the Arts. Stand der Dinge
Herausgegeben von Hansjerg Maier-Aichen
Avedition, 2009
Broschiert, 192 Seiten, 24,90 Euro

www2.avedition.de

Bautagebuch - Umbau Feldbergstube - Hotel die Halde

Freitag, November 20th, 2009

Heute möchte ich vom Umbau eines Frühstückraumes berichten. Das Hotel die Halde liegt herrlich ganz hoch oben bei uns im schönen Schwarzwald. Im Tal mag zwar noch die Sonne scheinen, aber in den Bergen hat tatsächlich schon der Winter eingesetzt…

Seit zwei Jahren liegt mein Konzept des Umbaus vor und musste deshalb solange auf die Umsetzung warten, weil das Hotel eine unglaubliche Auslastung hat und es nie der richtige Zeitpunkt zum Umbau gab.

Dieses Jahr musste es dann aber doch sein und zum Jahresende wurde auf Hochdruck alles fertig gestellt.

So sah der Frühstücksraum vorher aus:

Während des Umbaus:

Und so sieht es jetzt aus:

Die Sitzplätze wurden optimiert, die Böden geschliffen und dunkler gebeizt, ein Podest eingebaut (damit der Saalcharakter entfiel), es wurde eine Steinwand zur Gemütlichkeit eingesetzt, sowie mit Stoffen, Farbe, Licht und Mobiliar das Ambiente grundlegend verändert.

Die Darbietung der Speisen wurde durch neue Möbel und Einbaulösungen nicht nur optisch, sondern auch praktikabler gestaltet. Die Farbe rot passt sehr gut zu diesem traditionellen Haus und den Räumen, die Wärme und Geborgenheit ausstrahlen sollen, deshalb haben wir daran bewusst nicht gespart.

Dieser Kunde legt größten Wert auf beste Qualität, Verarbeitung, und Natürlichkeit. Der Teppichboden ist aus reiner Schafswolle mir Biozertifizierung, die Tische aus regionalen Hölzern und massiv, die Möbel aus Altholz von hiesigen Schreinern maßgefertigt, es wurden ausschließlich handgewebte Hirtenstoffe eingesetzt und das Angebot des ganzen Hauses wird peinlich genau auf Herkunft und Nachhaltigkeit geprüft.

Und falls ihr jetzt Lust bekommen habt selbst einen kleinen Abstecher hierher zu machen, dann kann ich euch das Hotel nur wärmsten empfehlen. Es gehört nicht umsonst zu einem der besten Häuser in unserer Region: www.halde.com

Heute hat Charlotte ihren letzten Tag…

Freitag, November 6th, 2009

15 Jahre jung, in der 10. Klasse des Gymnasiums, hat sich Charlotte bei mir um ein 2 wöchiges Praktikum beworben, da sie später Architekur studieren möchten. Charlotte wurde von mir ins kalte Wasser geworfen und musste sich in vielen Disziplinen beweisen…

… z. B. in Entwurf, Konzept und Design. Es ist sein sehr schöner Werdegang zu erkennen, angefangen von den ersten Scribbles, bis zur fertigen Kollage. Wirklich erstaunlich, welche Fortschritte Charlotte in nur 14 Tage gemacht hat. Hier seht ihr die fertige Kollage und darunter die ersten Entwürfe.

Aber natürlich gab es auch jede Menge andere Punkte zu bearbeiten, wie beispielsweise das Mithelfen einer Einrichtung für eine Ferienwohnung, jede Menge administrative Arbeit in Word und Excel und nicht zu vergessen: “das gute alte “SCHÖNSCHREIBEN” von Hand”

Nach nun 2 Wochen intensiver Zusammenarbeit, hat man sich schon so richtig aneinander gewöhnt und nicht nur ich, sondern auch meine Hunde Pablo und Mimi.

Liebe Charlotte, viele Dank für deinen tollen Einsatz, wir wünschen dir viel Erfolg für die Zukunft!

Wir werden dich vermissen…

1. FAZ Lounge in Freiburg - letzte Woche war die Eröffnung

Montag, November 2nd, 2009

VORHER

NACHHER

Ziel war es, aus einem in die Jahre gekommenen Café auf dem Unicampus einen Ort für Lesekultur zu gestalten.  Das Ambiente sollte heller, freundlicher, moderner und auch akustisch verbessert werden.

Es gab allerdings Elemente, die nicht verändert werden durften, wie Boden, Theke und die Untergestelle der Tische. Also galt es aus der Not eine Tugend zu machen und die Substanz durch übergreifend geschwungene Formen und Farben aufzubrechen.

Es wurden außerdem Akustikdecken-und Wände eingebaut, eine neue Lichtsituation geschaffen, ein Internet-Terminal mit Zugriff zu dem FAZ Archiv installiert und das Kaffee Angebot wurde von dem regionalen Kaffeeröster Tee Peter erweitert.

Die fuchsia farbene Rückwand besteht aus Akustikelementen Namens “Flo” von dem Produktdesigner Karim Rashid. Für mich einer der großen Designer. Ich habe ihn schon persönlich kennen lernen dürfen und es ist mir seit dem noch mehr zum Wunsch geworden, Produkte von ihm in meine Projekte mit einfließen zu lassen. Ich finde ihn einfach sehr innovativ und richtig schön verrückt. Mehr Infos zu Karim Rashid unter:  www.karimrashid.com

Bei den Sitzbänken haben wir die Wellenlinien der Wand aufgenommen, ganz praktisch, denn darunter befindet sich die Heizung und die warme Luft kann so gut zirkulieren. Natürlich durfte ein Polster im Rücken nicht fehlen, damit es schön bequem zum Sitzen, Kaffee schlürfen und Zeitung lesen wird.

Wir hatten eine unschönen Elektroschrank den wir unsichtbar machen wollten. Michael Bögle, ein regionale Größe in Sachen Kunst und Illustration, hat uns hierfür eigens ein Bild gezeichnet, was per Digitaldruck aufkaschiert wurde. Es soll das Innere der Kaffee Maschine darstellen. Wie ich finde sehr erfrischend und sehr gelungen. Mehr Infos unter www.boegle.de

Dies ist die erste FAZ Lounge in Freiburg gewesen, weitere in anderen Unistädten Deutschlands folgen.

Falls ihr noch mehr Bilder, während der Bauphase und auch danach sehen wollt:

faz-lounge-vorher-nachher-bilder

Es gab nicht nur positive Stimmen zu dem Konzept einer FAZ Lounge auf dem Unigelände. Hier ein Link zu einer Radiosendung:

http://www.echo-fm.uni-freiburg.de/archiv/mp3/FAZ192.mp3/archive_view

Mir hat es jedenfalls sehr viel Spaß gemacht, ein kleines Stückchen zu einer verbesserten Lesekultur beizutragen :-)