Die 11
Montag, Januar 31st, 2011Jede Menge Strandschönheiten in Rio bei 40°, in der Stadt die niemals schläft.
So hat mein Jahr begonnen bei viel Sonnenschein und Musik. Obwohl ich beruflich in Brasilien war, konnte ich mich dem öffentlichen Leben hier natürlich nicht entziehen. Wohin man ging, Musik, Musik, Musik…
Nach fast zwei Jahren Bauzeit sind die Luxus Appartements an der Copacabana fast fertig gestellt. Nun ging es darum Möbel und Einrichtungsgegenstände zu kaufen. Dies stellte eine besondere Freude für mich dar, denn die ganzen Wohnungen werden ausschließlich mit Design Klassikern aus den 50er und 60er Jahren ausgestattet. Wenn man an Rio denkt, denkt man sicherlich nicht an Antiquitäten, aber hier gibt es vieles, was Kunstliebhaberherzen höher schlagen lässt.
Zum Beispiel Möbel von Sergio Rodrigues. “Den Möbeln in Brasilien fehlte die Art der nationalen Identität, zu der die Architektur von Oscar Niemeyer, Lúcio Costa und deren Kollegen gefunden hatte.”1956 gründete Sergio Rodrigues in Ipanema, Rio de Janeiro, ‘Oca Industries’, eine Marke, die über Jahrzehnte zum Inbegriff des modernen brasilianischen Möbeldesigns wurde. Der gelernte Architekt übernahm traditionelle Materialien wie Leder, Eukalyptus und das Holz des Jacaranda Baums. Die Nähe seiner Entwürfe zu den Ikonen brasilianischer Kultur brachten ihm 1961 auf der ‘IV. Concorso Internazionale del Mobile’ (Italien) großen Erfolg ein: er wurde für seinen ‘Mole Chair‘ mit dem ersten Preis ausgezeichnet und das MOMA in New York nahm ihn in die ständige Sammlung für Design auf. Mit seiner großen Leidenschaft für Holz entwickelte er einfache, zum Teil aber auch hochkomplexe Holzkonstruktionen für den modularen Hausbau. Zu seinen bemerkenswertesten Entwürfen zählen u.a. die Brasilianische Botschaft in Rom, die Universidade de Brasilia, der Palacio dos Arcos, das Teatro Nacional in Brasilia und der Firmensitz von Editora Bloch in Rio de Janeiro.
In Antiquitätengeschäften wie in diesem hier, wurde ich fündig und ohne zu übertreiben, aber was ich da unter anderem in einem der Hinterhöfe entdeckte, hat mir fast den Atem verschlagen…
Stellt euch vor…ganz versteckt stand hier ein alter Louis Vuitton Koffer aus dem Jahr 1890 (!). Ein absolut unverkäufliches und handgefertigtes Unikat. Die Besitzerin ist Brasilianerin und hat den Koffer in der hiesigen Werkstadt aufarbeiten lassen. Der Antiquitäten Händler erzählte, dass er in seinem dreißig jährigen Geschäftsleben noch nie so ein kostbares Stück bei ihm im Hause hatte. Der Koffer gehörte dem Uhrgroßvater der Besitzerin, welche wiederum mit dem Loreal Chef Paris verheiratet ist und eigentlich in New York lebt. Also… wenn dieser Koffer Geschichten erzählen könnte…
Szenewechsel, ein Antiquariat mitten in der Stadt. Ich werde aufgrund der Auslage der wilden Barbies aufmerksam. Drinnen ertönt über Plattenspieler Miles Davis, irgendwie ganz lässige Atmosphäre, ich tauche ein in eine längst vergangene Zeit und werde aufs Neue fündig…
Ich hatte nicht damit gerechnet in Rio alte deutsche Zeitungen zu finden, aber eine Konstanze, eine Quick und noch das ein oder andere Exemplar aus den 30er Jahren gehörten als stilmäßige Ausstattung der Appartements zu meiner Beute. Und weil ich das Plattenspielererlebnis so berauschend fand, lief ich mir auf einem Flohmarkt die Haxen ab, bis ich beglückt einen alten Phillips Plattenspieler samt Bossa Nova Scheiben fand.
Flohmarkt? Retro? Irgendwie habt ihr euch Rio ganz anders vorgestellt? Klar, wie ihr hier sehen könnt gibt es auch die weltweit berühmte Seite. Zwei Millionen Menschen an der Copacabana an Silvester…Feiern bis der Arzt kommt













